Baustart im neuen Löhner Baugebiet

Baustart im neuen Löhner Baugebiet

Löhne. Zwei Bauarbeiterste- hen in der tiefen Baugrube. Sie platzieren Baustahl so, dass dort das Fundament für den Fahrstuhl des Mehrfamilienhauses gegossen werden kann. „Wir haben vor zwei Wochen mit den Bauarbeiten begon- nen und wollen Ende des Jah- res fertig sein“, sagt Olaf Schweneker. In den nächsten Wochen beginnen auch die Bauarbeiten für vier Einfamilienhäuser in dem Baugebiet. „Das ist hier ja nur eine kleine Fläche, die uns aber im Verhältnis viel Arbeit gekostet hat“, sagt Schweneker.

Das Baugebiet war bis vor wenigen Monaten ein Wiese, umgeben von Einfamilienhäusern. Pläne für eine Bebauung gab es schon länger. Die Pläne von Architekt Henning Bökampstießenim Frühjahr 2019 auf Widerstand von der Nachbarschaft und es gab für sie keine Mehrheit in der Politik. Seine Entwürfe für zwei Mehrfamilienhäuser wurden als überdimensioniert empfunden. Im zweiten Anlauf erhielten dann die Pläne der Firma Schweneker den Zuschlag. Das Unternehmen wurde von einer Investorin beauftragt, die nicht genannt werden möchte.

„Diese Fläche hat eine tolle Lage. Schön ruhig und nur ein paar Meter bis ins Gohfelder Zentrum.“ Der Standort hat auch für die Siedler eine Rolle gespielt, die vor 1.800 Jahren auf dem Gelände ihre Spuren hinterließen. Die Einkaufsmöglichkeiten hielten sich damals zwar in Grenzen. „Da war wahrscheinlich die Nähe zum Sudbach wichtig“, sagt Schweneker. Dass die Grundstücke im Flachsland schon bei den Urahnen der Gohfelder gefragt waren, hat für eine zweimonatige Verzögerung bei dem Bauprojekt gesorgt. Bevor die Bagger zum Ausheben der Baugrube kamen, rückten die Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe(LWL) an und untersuchten die Fläche. Diese Untersuchungen machen die Fachleute überall dort, wo sie Stätten vermuten, die von archäologischer Bedeutung sind. Und sie wurden fündig. Die Archäologen entdeckten im Verlauf der Grabungsarbeiten drei mittelalterliche Hofstellen.

Zum Gottesdienst in die Simeonkirche – vor 1.000 Jahren

„Die aktuelle Fundstelle in Gohfeld ist von besonderer Bedeutung, weil sie erstmals eine archäologische Verbindung zu der im Jahr 933 schriftlich erwähnten Ansiedlung Jolenbeke herstellt, also zur Siedlungsgeschichte des früheren Gohfelder Ortsteils Jöllenbeck, in dem das Grabungsareal liegt“, erläutert Sven Spiong, Leiter der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie für Westfalen. „Da zum alten Jöllenbeck dieurkundlicherstmalsim Jahr 1035 genannte Simeonkirche gehörte, wissen wir auch, wo die in den Hofstellen am Flachsland lebenden Men- schen vor gut 1.000 Jahren zum Gottesdienst gingen“, führt Spiong weiter aus.

Kurz vor Abschluss der Grabungsarbeiten kamen noch Spuren deutlich älterer Zeit zutage: In einer Grube entdeckten die Fachleute zwei fast vollständig erhaltene Gefäße aus der älteren Römischen Kaiserzeit. Sie belegen, dass dieser Bereich auch schon vor etwa 1.800 Jahren ein begehrter Siedlungsplatz war – so wie vor 1.000 Jahren und auch heute wieder.

Als Olaf Schweneker von den Funden erfuhr, hielt sich seine Begeisterung in Grenzen. Er hat nichts gegen Archäologie und findet es spannend, dass im Flachsland auch schon vor 1.800 Jahren Menschen gelebt haben. „Das Problem sind die Kosten. Seit dem Jahr 2014 gilt das Verursacherprinzip. Das bedeutet, dass jemand, der bauen möchte, die Kosten für archäologische Ausgrabungen tragen muss. Das hat die Investorin 70.000 Euro gekostet“, sagt Schweneker. Zwischendurch hätten die Nerven blank gelegen. Schweneker ist froh, dass die Arbeiten jetzt begonnen haben. Gestartet wurde mit dem Mehrfamilienhaus. Entstehen werden sechs Wohnungen mit einer Wohnfläche von zwischen 76 und 100 Quadratmetern. Die Wohnungen sind weitgehend barrierefrei. „Wir haben schon fast alle Wohnungen verkauft. Frei haben wir noch jeweils eine Drei-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoss und im Obergeschoss“, sagt Schweneker.

Die Nachfrage nach Eigentumswohnungen sei nach wie vor hoch. „Durch die anhal- tende Niedrigzinsphase sind diese bei den Kapitalanlegern sehr gefragt“, sagt er. Und so sei es nicht erforderlich, schon vor dem Baubeginn von solchen Objekten in die Werbung einzusteigen. „Die sind meistens ein Selbstläufer.“ Auch der Bau ersten Einfamilienhäuser im oberen Grundstücksbereich startet in den nächsten Wochen. Zwei der vier Bauplätze seien verkauft. „Der Plan ist, dass hier Weihnachten in der neuen Wohnung oder dem neuen Haus gefeiert werden kann. Solange wir nicht noch eine ägyptische Tempelanlage finden, klappt das auch“, sagt er.


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